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Der tetragonale Lebensstil

Die Charakterisierung des tetragonalen Lebensstils bereitete lange Zeit große Schwierigkeiten. "Emotional handeln / logisch-rational begründen" war zunächst das zentrale beobachtete Merkmal. Eine gewisse Undurchsichtigkeit bis hin zum Doppelleben war ebenso feststellbar, wie das Auftreten in völlig verschiedenen Rollen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Wenn ein Mensch sich in einer Situation vollkommen anders verhält als in einer anderen (Zum Beispiel großer Gegensatz im Auftreten zu Hause / bzw. bei der Arbeit), dann ist dies ein deutlicher Hinweis auf einen tetragonalen Lebensstil.

Stabilität und Konsequenz auf der einen Seite, Sprunghaftigkeit und Unbeständigkeit auf der nächsten, Gemütlichkeit und Gelassenheit in einem dritten Bereich - alles steht fein säuberlich getrennt nebeneinander. Es dauerte mehrere Jahre, bis endlich klar wurde, daß genau dieses "saubere Trennen" der gemeinsame Nenner aller tetragonalen Lebensumstände ist.

Die Fähigkeit zu trennen zeigt sich beim tetragonalen Lebensstil in vielfältigster Weise: So können verschiedene Lebensbereiche, Beruf, Familie, Freundeskreis, Hobbies etc. völlig unbeeinflußt nebeneinander stehen, so getrennt, daß mitunter der eine Bereich nichts vom anderen weiß: Bei der Arbeit wird nicht über die Ehe, in der Familie nicht über den Beruf geredet. Eine optimale Voraussetzung für Geheimnisträger aller Art. Ebenso lassen sich Gefühl und Verstand gut von einander trennen, was im Optimalfall zu neutralem, unparteiischem Verhalten trotz emotionaler Betroffenheit führt - ein Segen für jeden Richter - unter ungünstigen Umständen jedoch auch innere Zerrissenheit, Unehrlichkeit und Zurückhaltung bewirkt. So gehört zum tetragonalen die Fähigkeit, die eigenen Belange vollkommen hinten an zu stellen, Schmerzen, Unwohlsein, Ärger, Trauer, Angst und Wut so sehr von der derzeitigen Situation zu trennen, daß der jeweilige Gegenüber nichts von diesen vorhandenen inneren Gefühlen wahrnehmen kann - selbst wenn es der langjährige Ehepartner ist.

Im Denken äußert sich die Fähigkeit zu trennen in einem ausgeprägt analytischem Verstand sowie einer raschen Auffassungsgabe und Unterscheidungsfähigkeit. Ein "tetragonaler" Mensch ist in der Lage, alle aufgenommenen Informationen schnell in einzelne, beliebig neukombinierbare "Bausteine" aufzuteilen und diese wiederum beliebig zusammenzusetzen. Diese Kombinationen kann er in sehr hoher Geschwindigkeit durchdenken und verändern, wobei viele tetragonale Menschen dazu neigen die Art und Weise, wie sie gerade die Welt wahrnehmen, bis ins Extrem zu durchleben, bzw. sie vehement als die einzig richtige Sicht der Dinge hinzustellen und gegen alle (intellektuellen) Angriffe zu verteidigen. Damit prüfen sie für sich die Gültigkeit ihrer derzeitigen Betrachtungsweise, teilen dies allerdings anderen häufig nicht mit. Diese stehen dann schnell vor der verblüffenden Situation, daß ein "tetragonaler" Mensch, mit dem sie in der letzten Woche noch intensiv diskutiert haben, inzwischen schon wieder einen völlig entgegengesetzten Standpunkt vertritt.

Aus diesem schnellen analytischen "Bausteindenken" entstehen viele neue Ideen. Verschiedenste Möglichkeiten werden ständig neu durchgespielt. Hieraus resultiert auch, daß sich ein tetragonaler stets zum Neuen hin- und mit Leichtigkeit vom Vergangenen abwendet bzw. sich eben davon trennt. Allerdings birgt dies auch eine Gefahr: Wird das Alte zu schnell "weggeworfen", kehrt es wieder: Insbesondere die vergangenen Fehler werden daher gerne wiederholt.

Liste tetragonaler Steine


Quellen:
Datei: die-steinheilkunde/01einführung/tetragonal.html,
  © Michael Gienger / Wolfgang Maier